24. April 2008: Umweltfinanz Bildungstag - Braunkohlerevier Lausitz
Für den diesjährigen Bildungsausflug hat sich die Umweltfinanz mit der Lausitz eine Region ausgesucht, die wie kaum eine andere symbolisch für die Notwendigkeit einer modernen Energiepolitik steht. Einerseits haben sich viele Spitzenunternehmen aus Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt zusammengeschlossen und stehen im "Solarvalley" für moderne Solartechnik sowie zukunftsfähige Arbeitsplätze. Andererseits steht die Region Lausitz im Südosten Brandenburgs und Nordosten Sachsens als Braunkohlerevier für eine veraltete, klimaschädliche und ineffiziente Energiepolitik, für die auch heute noch ganze Dörfer zwangsumgesiedelt werden.
Das Lausitzer Braunkohlerevier fördert über 30 % der deutschen Braunkohle, deren Verstromung den höchsten anteiligen Treibhausgasausstoß aller Energieträger erzeugt. Das Kraftwerk Jänschwalde beispielsweise gehört mit 1.200 Gramm Kohlendioxid pro kWh zu den "schmutzigsten" Kohlekraftwerken Europas. Die ebenfalls regional ansässigen Braunkohlekraftwerke Boxberg und Schwarze Pumpe sind mit jeweils 1.100 und 1.000 Gramm CO2/kWh nicht viel effizienter. Mit der in den Lausitzer Tagebauen geförderten Braunkohle werden ebenfalls Heizkraftwerke in Berlin und Chemnitz versorgt.
Braunkohlekraftwerk Jänschwalde, mit einer installierten Leistung von 3.000 Megawatt das zweitgrößte Kraftwerk Deutschlands, liegt auf der Weltrangliste der Kraftwerke mit den meisten Emissionen auf Platz 7. In Zukunft soll hier der "Cottbusser Ostsee" entstehen.
Die Tagebaue haben für die Natur diverse negative Auswirkungen. Durch das notwendige Abpumpen des Grundwassers ergibt sich ein enormes Wasserdefizit für die gesamte Umgebung der Tagebaue, durch das Feuchtgebiete austrocknen und sich die Bodenstruktur noch in 15 bis 20 Km Entfernung verändert. Die durch den Abbau hervorgerufene Feinstaubbelastung überschreitet die EU-Grenzwerte teilweise deutlich. Die nach Beendigung des Tagebaus verbleibenden Restlöcher sollen größtenteils geflutet werden, was laut Schätzungen bis 2050 dauern kann - die betroffenen Gebiete werden allerdings schon heute als zukünftige touristische Attraktionen vermarktet.
Braunkohletagebau Cottbus-Nord
Zwangsumsiedlung für Braunkohleabbau - Heute wie vor 85 Jahren
Bereits 1924 wurde im Lausitzer Revier mit dem Ort Neu-Laubusch der Abriß ganzer Ortschaften begonnen. Aber auch heute noch werden für die Braunkohle und im Namen des deutschen Bergrechts ganze Kleinstädte umgesiedelt und Gemeinschaften auseinandergerissen, zuletzt Horno (2005) und Lakoma (2007). Nach den Plänen der Vattenfall Europe sollen z.B. im Bereich des Tagebaus Jänschwalde noch bis 2042 weitere Städte abgerissen werden. Vor Ort ist es teilweise erschütternd, die Erinnerungen an ehemals lebendige Ortschaften zu sehen, die in den letzten Jahrzehnten in neue moderne Siedlungen überführt wurden, wobei Kultur und Geschichte weitgehend auf der Strecke blieben.
Gedenkkreuze für ehemalige Dörfer: selbst eine 500 Jahre alte Feldsteinkirche wurde in Horno noch 2004 gesprengt
Der Bildungsausflug in das Braunkohlerevier bestätigte uns in der überzeugung, daß eine moderne Energiepolitik weder gegen die Umwelt, noch gegen die Bevölkerung gerichtet sein darf. Anstatt durch eine veraltete Energiepolitik aus der Heimat verdrängt zu werden, sollten Menschen ihre Energie selbstbestimmt und dezentral erzeugen - die technologischen Möglichkeiten bestehen bereits seit einigen Jahren. Der Strom kommt nicht einfach aus der Steckdose, sondern die Erzeugung unserer Energie für den täglichen Gebrauch ist ein Bereich, der uns alle betrifft und berührt.
Für die Führung vor Ort bedankt sich die Umweltfinanz herzlich bei Herrn Johannes Schade.
Quellen: Umweltfinanz, eigene Quellen, Wikipedia
